Ursprung ist nicht als Ursache zu begreifen

Wie unten im Abschnitt zur Bestimmung des Seins Gottes als Erstursache nach Thomas und Aristoteles gezeigt, gerät der Gebrauch der Kategorie Ursache im Schluß auf einen den rückfragenden Regress auf einen ersten Grund und nicht mehr bedingte Bedingung in der Reihe von als wirkursachen und Beweggründe gefassten Gründen des Seins von als erfahrbaren Wirkungen.

  • Bewegungen und Veränderungen müssen einen „Grund“ haben, der als ihre Ursache gedacht wird; das Wassein aber kann keinen effizienten Grund haben, sondern es geht die Frage nach einem Grund auf das Wie im Dassein, was etwas ist; die Fraglichkeit des Wasseins aber greift auf die Angemessenheit der Bestimmtheit aus, die – wie für das Wesen des Menschen – als erfasst vorausgesetz werden müsste, um danach frage zu können, Warum ist der Mensch?
  • Die Frage würde dann aber als die nach „Sinn und Zweck“ des Menschseins verstanden, nicht als nach einer wirksamen Ursache.
  • Der Mensch ist nach Gen 1 nicht geschaffen, wie die Dinge und ihre Ordnung durch göttliches Wort, sondern durch Selbstgabe des Maßes des Göttlichen / Himmlischen als Grund im Dasein.

Gott als erste, selbst nicht mehr verursachte Ursache in der Reihe der in der Zeit einander folgenden Ursachen und Wirkungen zu denken, führt, wie im Abschnitt zur „Erstursache“ bei Thomas gezeigt, zu Widerstreiten, die nicht lösbar sind, solange die Unterscheidung einer Ursache – als Kategorie des  Verstandes in der Gegenstandsbewußtsein – vom Ursprung nicht erkannt und das Denken im Gottesverhältnis nicht leitet.

Einem Ursprung kann noch das Denkvermögen sich verdanken. Ein Ursache zu denken, verhält seine Einsichtsweise nur in eine Erklärung.

Dem Denken dann nur eien Schranke zu setzten, dass Gott nicht zu erklären ist, zerbricht nur die Achtung seines Vermögens, statt es in die Umkehr zu weisen, vom Erklärenwollen (durch die Erfassung von Ursachen des Daseinenden) darin Abstand zu gewinnen, dass mit dem Ursprung ein Haltung des Andenkens das Denkverhalten leitet, darin die Erkenntnis des Ursprungs dann immer auch seiner Vermögen die grundlegende Maßgabe zur Ermöglichung – in Vergegenwärtigung – erneuert.

Währen der Gebrauch von Kategorien – wie Kant zeigt – immer eine Zeitbedingung hat, ist in den das Ursprungsverhältnissen des sich selbst bewußt werdenden menschlichem Daseins eien Struktur zu erkennen, durch die die Erzählung in dem wie sie darstellt, das Ereignis der ein Seinkönnen in Strukturiertheit und Beständigkeit einer Ordnung ermöglichenden Schöpfung aus einer Zeitbestimmtheit in Kontinuität zur Rückerinnerung herausgesetzt wird. Dieses für den Ursprungsgedanken tragende sich der Zeitkontinuität der Erinnerung eines der Form nach wahrnehmbaren Geschehens im Erscheinen, wie durch die Kausal-Verkettung (im physikotheologischen Gottesbeweis auf eine Erstursache als Abschluß und Anfang hin) gerade vermieden und stattdessen das Sein Gottes an den Anfang einer Zeitkontinuität gestellt, die grundsätzlich erinnerbar ist, auch wenn die frühen Stadien von Verursachung nur durch Einbildungskraft „rekonstruiert“ werden könnten. Zwar wird das Sein Gottes als erste Ursache in gar keiner anderen Bestimmung denkbar, als eben als diese Anfangsursache einer selbst noch einer Einbildung in Beschränkung auf eine einzige Kausalkette sich verdankendes Totalitätsannahme von verursachter Wirkung in Gegenwart aller Erscheinungen (als Erklärungsmuster), aber es bleibt an die Setzung eines Anfangs gebunden, der nur gesetzt wird, damit die nach Gründen rückfragende Vernunft eine dem Zeitkontinuum eines physikalischen [d.i. auf die Physis / Natur von Erscheinungen bezogenen] Weltbewußtseins entsprechende Einheit im Gelingen ihres nach Abschluss verlangenden Fraens nach Gründen haben kann.

So versteckt sich im Aristotelischen Argument, das Thoma aufgreift, in der aus der Reihe von effizienter Kausalität an deren unbedingtem Anfang eine „Zweckursache“, deren Bestimmung nur die Selbstzweckmäßigkeit der Vernunfterkenntnis im Verhältnis zu Erscheinungen in Raum und Zeit ist. Damit hätte – entgegen der theologisdchen Intention bei Thomas und im Thomismus – der Bestimmungsgrund in Gott als Erstursache der Erscheinungen in der Welt die menschliche Vernunft zur Zweckbestimmung.

Die auf eine Ursache als Anfang in der Zeit sich mit dem Gebrauch der Kategorie Ursache sich richtende Bestimmung Gottes als Erstursache gerät im Bewußtsein der Vernunft – mit der Rechtfertigung ihres Vermögens durch eine ihr Fragen abschließenden Annahme einer Anfangsursache antinomisch – wie die Antinomien der Beweisführung zur Annahme eines Anfangs oder keines Anfangs von Welt zeigen. Im Selbstwiderstreit erreicht sie gerade keine Selbstgemäßheit: der Grund der Verfehlung liegt in der sich des aristotelischen Arguments bedienenden Theologie selbst. Die leitende Selbstzweckhaftigkeit kehrt ihr in der neuzeit als Schein von Selbstermächtigung der menschlichen Vernunft entgegend wieder. Und so verkennt sie das einzige Rettende durch die Kritik zur Überwindung der Antinomien des mit Gegenstandsbegriffen operierenden (theoretisch-spekulativen) Verstandesvernunft, die mit der Unterscheidung von gegeben und aufgegeben, die Vernunft in ihre ursprünglich praktische Entsprechung des Bestimmungsgrundes ihres Vermögens weist und so Ursprung als Ermöglichung zur Entsprechung im Gebrauch der Vernunftvermögen in der Haltung de Annahme seiner Gabe für das alles personale Handeln und Verhalten begleitende Bewußtsein einsehen kann: in einer fürsorgend begleitenden Haltung der Bewußtseinsbildenden Einsicht – der beurteilenden Entsprechung im sich Orienteiren als mensch in Welt und Gemeinschaft.