Ursprung als Schöpfung


1.

Gn 1 ruft in seinem ersten Vers - „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ - durch Einheit und Ordnung von Himmel und Erde das Ganze des Schöpfungswerks auf.

Seine Ordnung ist auf die von der Ebenbildlichkeit geführte Erschaffung des Menschen orientiert; das menschliche Dasein bildet darin jenes anfänglich umfassende „und“ in Stand und Bewußtsein zwischen Erde und Himmel, das auf den als Erde wohlgefestigten Grund angewiesen ist. Von diesem Anfang eines wohlgeschiedenen und so erst gefügten Ordnungsganzen wird die Erde mit einem „aber“ im anschließenden Satz von ihrer Bestimmung als tragender Grund angesprochen und das völlige Fehlen von Festigkeit, Grund und Weg angezeigt.

Im Anspruchsverhältnis des göttlich Geschaffenseins von Himmel und Erde als einer fürmenschlichen und das Menschsein ermöglichenden Welt fordert die Wüstheit, die Verkehrung und die Verwirrung der Erde das im Geist, der ihrem Abgrund widersteht, die Erschaffung einer gut gegründeten, einer guten, die Güte des Werks ihrer Entstehung selbst darstellenden Ordnung von Himmel und Erde heraus.

Die Kraft des die Ordnung von Himmel und Erde gründenden Schöpfungswerks überwindet das Verunmöglichende von Orientierung und Dasein, dem die Art der schöpferischen Erfüllung als Ermöglichung von Daseinsgestalt und Seinkönnen entgegnet.

Der Schöpfergeist, der über den Wassern und ihrer Erdenfinsternis ohne Himmel und Licht braust und schwingt, wirkt dem Verunmöglichenden des Gefüges von Erde und Himmel und damit dem Nichtseinkönnen von Mensch in Welt in widerständiger Kraft entgegen.

Zu denken und zu sagen, „Die Erde  aber war wüst und öde“, kann nur gedacht und gesagt sein, wenn die Darstellung in ihrer Erzählung schon auf die Ordnung aus Unterscheidung und Einheit von Himmel und Erde zurückgreifen kann und das Seinkönnen auf der Erde zum Thema hat. Eine Erde, die ohne Unterscheidung von Wasser und Land, von Licht und Dunkel und ohne Halt zur Unterscheidung auch vom Himmlischen wäre, könnte als Erde nicht sein, nicht bestehen und keinen Stand für Menschen gewähren, die sich auf ihr bewegend unter dem Himmel – und seinen Gestirnen – orientieren.

Darum ist die Erde nicht Erde, wie sie als Erde für uns besteht, sondern von Urflut und Finsternis ihrem Selbstsein im Dasein entzogen. Dem Anspruch von Sichtbarkeit und Bewußtsein im Daseinkönnen entgegen herrscht „Finsternis“, die „auf der Urflut“ lag. Der Erde Ödnis ist Verwüstung, die als Desorientierung und Verwirrung empfunden und zu denken gegeben wird, ohne als Zustand  vorstellbar zu sein, wenn sich Erzähler wie Hörer in jenes Verhältnislosigkeit versetzen, als – und hier wird im Gegenwartsvergleich nun der Ursprung als Anfang gedacht – Erde und Himmel „noch nicht“ waren und der Mensch in ihnen, sie als Welt in sich in ihrer Ordnung orientierenden Dasein verbindend, nicht hatten sein können.  

Das „noch nicht“ eines Seinkönnens ruft eine Zustandsvorstellung auf, die schon das Vorstellen und ein Zustandsbewußtsein verunmöglicht und darum als dessen Gefährdung erscheint, dem sich aber das Zeitbewußtsein in der Vergangenheitsform der Erzählung entgegenverhält:

Das Tohuwabohu bedeutet  Verkehrung und Verwirrung – nicht nur von oben und unten –, die auch im Bewußtsein des Hörenden eine Beurteilung aufruft, dass die Gegenwart der räumlichen wie zeitlichen Bedingungen des Wahrnehmungsbewußtseins sich erhalten muß und so erkennt, dass jenes dies verunmöglichende nicht gut sein kann, dass es ohne entscheidend bestimmende Wendung gegen es kein Maß und kein Grund für keinerlei Ordnung des zu sein Möglichen gegeben sein und gegeben haben kann. Hörend und Erzählend ruft sich der menschliche Geist das Fehlen des gütigen Grundes von Ordnung im Bestand als Zerrüttung all jener verläßlichen Gründungen und Ordnungen sich ins Gedenken, die nun umgekehrt als ihrem Ursprung gemäß als Überwindung des Nichtseinkönnens begriffen und gründend ins Werk gesetzt werden.

Die entsprechenden Zeilen ab Vers 1.2 lauten in der Übertragung von Paul Barié, der mit dem "damals" eine zeitliche Zustandsvorstellung zur Deutung heranzieht:

die Erde war damals noch TOHWABOHU,

und Finsternis lag auf TEHOM, der Urflut,

und ein Gottessturm bewegte sich über dem Wasser -

da sprach Gott: Es werde Licht (…)

Und es geschah so.


Martin Buber überträgt, die Desorientierung im Tohubwabohu und damit das unaushaltbar Widerstreithafte herausstellend:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.

Finsternis über Urwirbels Antlitz.

Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.

Gott sprach: Licht werde! Licht ward. Gott sah das Licht: dass es gut ist.

Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis.

Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!

Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.

Das friedlich, mühelos scheinende Ruhen des Geistes, der über den Wassern schwebte, wie es die Lutherübersetzung deutete, entspricht der Ursprungsaufgabe des Schöpfergeistes nicht: er zeigt sich vielmehr als stürmisch widerstehende Macht gegenüber dem für alles geistige Seinkönnen Abgründigen und der darin ihrer Bestimmung nicht entsprechenden, ihrer Bestimmung nicht wahrhaft (und entborgen – aletheia) teilhaftigen Erde (die unter Flut und Finsternis vergessen und vernichtet scheint).

Man kann sich so darüber klar werden, dass für jedes mögliche selbstbewußte Denken im Dasein in der Welt, ein Sein vor und ohne die Einheit von Himmel und Erde, ohne Scheidung von Licht und Finsternis nicht verstehbar, nicht als ein irgend stabil bestimmter Zustand denkbar ist, sondern den Gedanken an ein auch das Denk- und Bewußtseinsvermögen einschließenden Nichtseinkönnen nur widerstreitvoll gedacht werden kann und darum das Denken im Selbstbewußtsein nur dadurch gerettet werden kann, wenn es sich auf einen Ursprung zurückwendet, dass dieser sich als ein Handlen zeigt, das das Menschsein im Selbstbewußtsein auch seines Denkens, sich orientierenden Wahrnehmens und Erkennens ermöglicht, indem es dessen ermöglichende Ordnung gründet: Nur dann kann ein Ursprung als der eigene angenommen werden und gedacht und dargestellt sein.

Dass die Daseinsbedingungen des Seinkönnens als Mensch in der Welt zur Zielbestimmung des Schöpfungswerks gehören, wird durch die Ebenbildlichkeit im Text von Gn 1.26-27 ausdrücklich genannt. Unter welcher Handlungsart der Geist der Schöpfung dies erwirkt und nur erwirken kann, das läßt sich vernünftig erkennen und einsehen, dass dies weder ein Bearbeiten und Formen von noch gestaltlosem, aber doch irgend vorgegebenem Stoff sein kann, noch eine Verursachung. Auch hier gibt der Text die notwendige Auskunft und zeigt sich so als auch in philosophischer Hinsicht den rationalistischen Versuchen, aus der kontingenten Gegebenheit von Erfahrung und den wahrnehmbaren Dingen in der Welt (das sie Erkennen schon voraussetzend) eine erste Ursache erschließen zu wollen, die dann Gott genannt werden könne, problemgetreu überlegen (Handlungs- und Arbeitsmodelle im Schema von Bewegursachen oder der handwerklichen Herstellung können keine Erkenntnisvermögen gründen).

2.

Odil Hannes Steck hat in seiner Studie „Der Schöpfungsbericht der Priesterschrift“ (Göttingen 1975) überzeugend herausgearbeitet, dass die ab Vers 3 folgenden Werkdarstellungen mit der Verbindung „er sprach“ und dem anschließenden, das Wort unmittelbar als erfüllt werdend berichteten Werkgeschehen "und es geschah" als ein einheitliches „Vollzugsgeschehen“ dargestellt wird. Es ist eine dem Schöpfungswerk immanente Relation von Wort und Wirkung zum Ausdruck gebracht, die keinen Befehl darstellt, sondern als ein auf das Wort bezogenes:

und dementsprechend geschah es

zu verstehen. Steck gebraucht dann für diese wiederkehrende Formel des Werkberichts den Ausdruck:

Feststellung folgerichtiger Entsprechung“ (S. 36 ff)

Die schöpferische Bewerkstelligung von Seinkönnen wird von einer Entsprechungsrelation geleitet, für die das nennende Wort und die Beurteilung der Güte des ins Werk Gesetzten den Grund des geschaffenen Seins für die Erkenntnis des In der Welt Seins (der Menschen und ihres Bewußtseins) tragen.

Die Formel weist „auf den folgenden Geschehensbericht vor und qualifiziert ihn damit dem auf das Wort zurückweisenden als Wiedergabe des dem Wort entsprechenden Geschehens! Die Formel besagt also nicht einfach, „daß das Wort eintrat“, sondern stellt heraus, da das vorangehende Wort in einem ebenfalls, meist anschließend, berichteten Geschehen eine ihm entsprechende, also folgerichtige Verwirklichung erfahren hat.“ (Steck, S. 35)

Was die durch Scheidungen stabilisierte Ordnung zwischen Himmel und Erde an Dingen und Wesen bevölkert, wird in seiner jeweiligen Daseinsgestalt als seiner ursprünglichen Wesensbestimmung (des göttliche erzeugenden Worts) gemäß Seienden dargestellt, dem ein sich Entsprechen im Daseinkönnen aus ursprünglichem Maß eignet. Es ist das einer jeden Art Eigene der Daseinsgestalt, das die göttliche Schöpfung einer jeden Artgestalt (eidos) ursprünglich übereignet und seine Schöpfungswirken genau darin dessen Güte zu erkennen gibt, dass es das Seinkönnen in Entsprechung im Gegenzug zur Zerrüttung ermöglicht und im Selbstsein erwirkt.

Die Gestaltungsdreiheit von Wort – Entsprechungsformel – Geschehen, die die Darstellung der Werke zwei bis sieben prägt, fundiert das Geschöpfliche in Gabe und Bestimmung von Selbstgemäßheit als dem Eigenen je eines Wesens zugehörend.

Am Beispiel der Wasser- und Lufttiere verdeutlicht Steck das Charakteristische der Schöpfung als ursprünglich aus Entsprechung gegründetes Seinkönnen als sich gemäß: „Hier wird im Zuge der Schöpfung zunächst also die Daseinsgestalt [im nennenden Begriff ihrer selbst] angeordnet, die diesen Tieren von nun an ständig eigen ist.“ ( S. 61)  Schöpfung der Wesen für ein Daseinkönnen in der Welt ist Zueignung von Daseinsgestalt im nennenden Begriff ihrer selbst in je ihrer spezifischen Eigenart für ein gegenüber dem Nichtsein befestigtes Seinkönnen an seinem Platz im Gefüge einer dem sie zerrüttenden Unordnung gegenüber geordnet gegründeten Welt.

Die Schöpfungserzählung von Gn 1 gibt also den Ursprung als vom Maß der Entsprechung in Ermöglichung eines Selbstseinkönnens zu erkennen, dem mit dem Gegenhalt zu Gefährdung, Nichtensprechung und Verunmöglichung ein in die Ordnung des Zusammenbestehens Gefügtseins von je seiner ursprünglichen Bestimmung des Seinkönnens entsprechenden Daseinsgestalten eignet.

Die schöpferisch ursprünglich gegründeten Daseinsgestalten sind damit gewürdigt, in ihrer Eigenheit in der Welt zu sein und der Willkür eines Machens (durch einen anderen Gott der Techne) und der Verkennung ihres Wesens (durch Menschen) entzogen. Diese im Ursprung begründete Bindung geht in den Bestimmungsgrund von V 26: die Herrschaft unter der Schöpfungsordnung als ein Instandsetzen zur Naturbeherrschung bleibt gebunden an die Achtung der Dinge und Wesen der geschöpflichen Natur, die nur genau darin zu beherrschen sind, dass sie ihrerseits nicht das Menschseinkönnen zwischen Himmel und Erde und unter den sie bevölkernden Wesen gefährden.

3.

Schöpfung als Ursprung geschieht im Vorblick auf die Daseinsgestalt von sich im Ordnungsgefüge des verläßlichen Bestands von Welt in Entsprechung – aus ihrer als ursprünglich maßgeblich zu eigen gegebenen Bestimmung – sich als für die Menschen erkennbar und (dem Gotteswort als für sie in ihrer Eigenheit entsprechend) nennbar selbst in ihrer Wesensart erhaltenden Wesen.

Diesem ermöglichenden, aus dem Vorblick der Selbstentsprechung sich bestimmendem Erschaffen von lebensfähigen Wesen entspricht es durchaus, dass ihrer Daseinsart entsprechend, Erde und Wasser mitwirken an ihrer Entstehung und so mitwirkend bleiben in ihrer Erhaltung und deren Vermögen, selbst zu sein. V 20 ff und V 24 ff

Mit der durch Wasser und Erde ermöglichten Selbsterhaltung der Lebewesen in der Welt wird auch das „seid fruchtbar und mehret euch“ in eine überlassende, die Erhaltung in Selbstgemäßheit übertragendes Werkwirken der Schöpfung in ein sich erhaltendes Daseinsvermögen, für das – auch in Wissen und Erkenntnis der Menschen den Wesen in der Welt gegenüber – die Entsprechung von Begriff der Gestalt und Selbstsein im Leben „je nach seiner Art“ maßgeblich bleibt für alles Grundverhältnis.

Ausdrücklich nennt V 24 das seinem Wort entsprechende Wirken: „Und Gott sprach: Die Erde bringe Lebewesen hervor nach ihren Arten.“ … und so geschah es, – das Vermögen der Erde, Leben zu erzeugen, in ermöglichender Güte auf ihre Selbstentsprechung hin in Art und Begriff der von ihr hervorgebrachten Lebewesen ermöglichend.

4.

Im Widerstand gegen den nur den Denk- und Daseinsvermögen im Bewußtsein von Erzählern wie Hörern widerstreitendes Tohuwabohu

V 2 die Erde war damals noch TOHWABOHU,

und Finsternis lag auf TEHOM, der Urflut,

und ein Gottessturm bewegte sich über dem Wasser (Barié)

*

V 2 Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.

Finsternis über Urwirbels Antlitz.

Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser. (Buber)

hebt das Brausende, das Stürmende des Geistes das schöpferisch Rettende seiner Kraft zur Unterscheidung „der Finsternis“ gegenüber hervor.

Gott sprach in diesem Geist, als Person sich und unser Bewußtsein aufrichtend: V 3 Licht werde. Licht war. (Barié) Es werde Licht. Und es ward Licht. (Buber)

Die das Dasein von Licht, wie es das wahrnehmende, Licht sehende Bewußtsein ermöglicht, haltende Scheidung von der mit dem Abgrund des 'nicht sein und des nicht bewußt sein Könnens' einherflutenden Finsternis, wird in den eine Zeitordnung begründenden Wechsel von Tag und Nacht eingebunden. Indem diese Ordnung des Wechsels sich errichtet, wird das Daseinsbedrohende der Finsternis als ursprünglich durch die Scheidung überwunden und durch die nachfolgenden Befestigungen als dauerhaft zu überwinden befähigt, zu erkennen gegeben und das auf diese Scheidung angewiesene Vermögen des menschlichen Geistes gegründet.

Die sich entgegensetzende, im Widerstand entgegenschwingende Überwindung wird als Scheidung von Licht und Finsternis und der ausdrücklichen Beurteilung des Lichts als gut – in seiner ermöglichenden, alle Unterscheidungen tragenden Kraft in den Tag-Nacht-Rhythmus der menschlichen Daseinsvollzüge auf der Erde und ihren Zeitverhältnissen eingebunden, das mit jedem Aufwachen am Morgen, mit jedem Sonnenaufgang die Überwindung der alles Selbstseinkönnens, alles Maß, Erkenntnis und Bewußtsein verhindernde Finsternis und das ihr zugehörende Tohuwabohu erneuernd überwindet.

Darum kann der Sonnenaufgang zum Symbol des Ursprungs werden – als das Erweckende seiner Gabe in die Gegenwart des je neuen Erwachens uns hebend.

Die Gegend des Sonnenaufgangs, der Orient, gibt uns Orientierung im Raum der Welt.

5.

Die Darstellung der Ursprung der Welt ist vom  Ursprung der Seele, auf den sie sich als ihre Vermögen ermöglichend, rückbesinnt, nicht abtrennbar.

In der Ebenbildlichkeit der Erschaffung der Menschen V 26 - 28 bestimmt keine „Vorbestimmung des Begriffs des Menschen der Art nach“ durch ein vorgängiges Wort das Wesen des Menschen, sondern eine Selbstgabe in Bildung einer Entsprechungsgestalt zum Göttlichen selbst. Darum begründet die Genesis mit der Ebenbildlichkeit keine Anthropologie, gibt keine den Geschöpfen analoge Wesensbestimmung „des Menschen“. Ihm wird im Geist seine des Ursprungs als ihm in Entsprechdung zum Wesen Gottes zu eigen gegebenes Seinkönnen ein Selbstseinserkenntnis des auf das gesamte Werk der Schöpfung verweiesenden Maßes im Grund eröffnet, das wir aus dem Ursprungsgedenken in der Darstellung der göttlichen Werkvermögen in Achtung der Wesenheiten unter der Maßgabe von Güte in Entsprechung vernehmen können.

Wie sind hier verweisen auf die 

- Ideenorientierung (ho estin)

und die

- Idee als Werk (vgl. de nominibus, Ps. Dionysius Areopagita)

Das als Entsprechungsverhalten im Geist des Werks der Schöpfung herausgearbeitete Form des Begriffs für Maß und Grund der Daseinsgestalten in der Rechtfertigung und Würdigung ihrer Achtung wird entscheidend für das menschliche Denken des Wesens des Göttlichen und die Begriffsform des schöpfeischen und rettenden Logos.

Das menschliche Einsichtsvermögen auf einen „zusammensetzenden“ Verstand zu beschränken, durch den er sich den Dingen als Gegenständen des Wissens ebenso wie zu Gott als Thema verhalte, hat fatale Konsequenzen für eine so weil unbegründbar werdende sittliche Orientierung, zu der beizutragen die Theologie ihre Bestimmung verfehlt.

6.

Die Vergangenheitsform der den Ursprung vergegenwärtigenden Schöpfungserzählung weist auf Ursprung als Anfang, der nicht in einem Kontinuum erinnerbarer Zeit bewußt sein und gedacht werden kann. Die Schöpfungserzählung auch von Gn 1 weist darum, von der Logik der Zeitfolge her betrachtet, einen doppelten Anfang auf: Himmel und Erde müssen als schon geschaffen angesetzt sein, um von der Erde her als sich noch nicht entsprechend und unerkennbar die Scheidung von Erde und Wasser und von Himmel und Erde erst zu begründen.

Die Deutung hebt dieses Verstandesschwierigkeit, da sie das Werk in seiner Ermöglichung vom zu erfüllenden Ganzen her dem Nicht-sein Können gegenüber als ein das Daseinsvertrauen rechtfertigendes Gründungsgeschehen erkennt.

„als Himmel und Erde noch nicht waren“ … „als nichts war“ … „daß niemand mehr weiß, wann, und es nie gewußt hat“

a)

Sich von dem, was wir kennen und wahrnehmen können, was uns Ort und Leben, Erfahrung und Wahrnehmbarkeit gewährt, als der uns vertrauten Welt, auf das uns in Gedanken zurück zu wenden und durch seien Darstellung zurückführen zu lassen auf das hin, von dem uns keine Wahrnehmung gegeben, keine Erinnerung geblieben sein kann, das nicht etwas ist, das irgendjemand, der uns Bericht geben könnte, wir erinnern könnten, wovon es keine Berichte von Augenzeugen gibt und geben kann, das keine andere Zeit hat als die eines vorzeitlich-zeitlosen Geschehens haben kann, und das wir doch an den Anfang unsere Zeit des in der Welt Seins setzen, wenn wir den Ursprung als Anfang aller Dinge und unseres eigenen Seinkönnens darstellen und seinen Erzählungen lauschen.

Den Ursprung können wir in seinem Geschehen nicht anders denken als in einem Geschehen der Gegenhandlung zu einem „noch nicht“ Seinkönnen dessen, was uns vertraut ist, das unser Dasein bedingt und auf dessen Bestand wir uns stützen und täglich verlassen können, also die Welt und unser Dasein ihr, die wir von dem her wahrnehmen, was uns umgibt und trägt und in dessen Mitte wir ein Welt- und Selbstbewußtsen haben.

Nur durch ein mythisches, einbildnerisches Erzählen, das die Grenze seiner Vorstellungskraft und die Abhängigkeit von Gegebenheit reflektiert, können wird dessen inne werden, was im Ursprung die Gründung eines Seins und das maßgebliche Ermöglichen von Selbstsein in Entsprechung von und entgegen seinem „Noch nicht sein Können“ leitet und begleitet, aber darin dem sich zurückwendenden Gedanken zugleich die Gefährdung dessen erinnert, was ihm gegeben ist und nach dessen Grund und Maß als ursprüngliche Bestimmung in der ein Dasein ermöglichenden Gabe wir, es zu vergegenwärtigen, fragen. Und dazu mußte die Einbildungskraft das ins Gedenken rufen, was allen denkbaren Gehalt und das Vermögen des sich bewußten Denkens und Vorstellens negiert, das jede Wahrnehmbarkeit verunmöglicht und das auf Wahrnehmungen ausgerichtete Vorstellen und Erinnern zerrüttet. Der Abgrund führt uns im Bewußtsein eigenen Denkenkönnens an seinen Abgrund, läßt uns irre werden im Vermögen, das zu verstehen, dem entgegen nur Welt und Selbstseinkönnen in ihre hat gegründet sein können. Die Ursprungserzählung läßt uns das berühren, was das sonst so selbstverständlich Gegebene fraglich sein läßt und als in seinen Bedingungen eben nicht selbstverständlich der ideell geistigen, nicht sinnlichen Gedenkens bedarf, um geachtet zu sein und eingehen zu können in das uns aufgegebene sich Orientieren als Mensch in Welt.

b)

Das Ursprungsdenken holt uns aus den Selbstverständlichkeiten unseres Umgangs in und mit der Welt heraus. Es führt uns aber an Grenze und Abgrund je nur vom vorausgesetzten und uns vertrauten Erfahrungsbewußtsein aus; ohne Begriff von Welt, von Erde und Himmel im Wissen um unsere Situierung, ist die Rückwendung nicht vollziehbar – und darum muß zwingend die Ursprungserzählung die Gründung des Wahrnehmen- und Nennenkönnens, das Begreifen und Erkennen in Erfahrung und Orientierung mit all seinen Bedingungen als Vermögen einbeziehen und sie als solche, als geistige Vermögen der menschlichen Seele ermöglichend hervorgehen lassen. Damit wird in der Schöpfungsgeschichte mit der Begründung des Selbstseinkönnens in der erfahrbaren Welt je auch unser Erfahrungs- und Selbstbewußtsein begründet und gerechtfertigt – als unter dem Maß seiner Entsprechung ermöglicht.

Darin unterscheiden sich diese Erzählformen grundlegend von jeder wissenschaftlichen Erklärung der Entstehung der Dinge – im Gebrauch von Ursachen und Beweggründen – oder der evolutionären Entwicklung der Arten. Solcher Begründungsgang, wie er im reflektierten Mythos von Gn 1 vollzogen wird, enthält und trägt vielmehr die Auseinandersetzung wesentlich mit dem Gefährdenden, und ist der Struktur nach Ermöglichung als Rettung. Dies teilt die Schöpfungserzählung der Genesis grundsätzlich und der Struktur nach mit den Schöpfungsmythen der Völker.

Ohne Arbeit und Kampf dem Verunmöglichenden im noch nicht Seinkönnen entgegen kann keine Ursprungsgeschichte das Ursprungsgeschehen erzählen. Ein Kampf und die Mühe der Überwindung zittert noch in der Genesis nach, wenn wir mit Buber den Schöpfergeist als „Braus Gottes“ über den Wassern, über dem Abgrund nennen hören. Solche Arbeit und Anstrengung geistiger Kraft ist bei aller auch kulturbezogener Verschiedenheit der Ausprägungen, bei aller Betonung auch nur des einen oder anderen Aspekts der Selbsterkenntnis in der sich erneuernden Bildung von Selbstbewußtseins als Mensch in Welt in seinen nicht selbst herstellbaren Bedingungen wesentlich.

Die Arbeit der Überwindung von Unmöglichkeit des Selbstseinkönnens, die als ein Verunmöglichen nur als eine widerstreitende Macht nur gedacht werden kann, formiert sich darum in Ausrichtung auf eine entsprechend der als Güte sich für eine selbstbestandsfähigs Selbstsein im Gefüge einer dementsoprechend wohlgeordneten, harmonisch gefügte Ordnung. Die ihre sie leitenden Bestimmungsgründe darstellende Schöpfungserzählung gibt den ermöglichenden Ursprung unter den ihm eigenen Bedingungen der Gründung als durch Ordnung, Güte und Schönheit bestimmt zu erkennen.

c)

Das Ursprungsdenken ist ein Gedenken des nicht gedanklich verständig Beherrschbaren im Seinkönnen mit und unter den Wesenheiten und Ordnungsgefüge einer durchaus fürmenschlichen Welt. Dann diese ist in ihren Zwecken unter die Bedingungen der Ordnung aller Wesen und ihrer Beachtung bezogen. Darum sind vom Ursprung im Gedenken her die Wahrnehmungsgehalte von Einbildung negierenden Gedanken notwendig auf das bezogen, was dem Selbstbewußtsein auch des eigenen Denkens in seinen Bedingungen, etwas als etwas denken zu können, Bedrohung ist (in dessen Mißachtung zur Gefährdung des je eigenen Erkenntnis- und Orientierungsvermögens wird).

Es vergegenwärtigt diese Gefährdung im Bild des alles Bewußtsein verschlingenden Abgrund, des Chaos, des Durcheinander in der Verkehrung von oben und unten, das keine Orientierung gewährt und darum auch als Irrsal (Martin Buber), als uralte Verwirrung (Hölderlin) zur Sprache gebracht werden kann. Hier ist das Sprachliche in seiner Darstellungsgestaltung unersetzbar, kein anschauliches Bild kann für sich die eigene Unmöglichkeit mit darstellen, ohne daß es selbst sprachförmig wird und das Bildliche wie Unbildliche begrifflich reflektierte. Darum sind die Gedanken des Ursprung als Schöpfung in ihrer Gestaltung den Kunstwerke als Werke des Geistes ursprünglich verwandt (→ Timaios). Zugleich gibt die Erzählung im Hören das Gefährdende, das im Ursprung als Schöpfung in Ermöglichung von Selbstseinkönnen für überwunden geachtet wird, dort wiedzukehren in ein mahnendes Bedenken, wo die Menschen der Fürmenschlichkeit ihrer Welt nicht mehr danken und die Gefüge unter dem Maß der Entsprechung eines jeden nach seiner Art nicht achten. Die Mißachtung als Verlust von Bewahrungsvermögen des Selbstseinkönnen in einer als fürmenschlich bestimmt gegründeten Welt fällt durch die Verkennung der Daseinnsgestalten als verfügbar und dem zwecksetzenden Willen von Menschen unterworfen in die Gefährdung des selbstbewußten Daseins in Entsprechung von Güte und Schönheit der grundlegenden Werke zurück.

d)

Der Mythos läßt den Verlust von Identität im Selbstbewußtsein des eigenen Denkvermögens mit in dessen Vorstellungsbewußtsein eingehen, kann so einen Ort haben in Riten etwa der Initiation aber eben auch der Erneuerung von Ordnungen. Er ist mit Ordnung und Einheit im Stande ihrer Zerrüttung darum ebenso ursprünglich auf ein Ermöglichendes als ein Rettendes für all die Vermögen bezogen, ohne die wir nicht denken, uns weder vor- noch zurückwenden, nichts uns einbilden noch etwas einander erzählen könnten. Auch philosophisch ist das Denken des Seins von Nichts ein Abgründiges und seit Parmenides Weisung im Denken zu vermeiden, weil es in der Tat in einen – allerdings der Besinnung auf das, was Ursprung bedeutet, unvermeidlichen – Selbstwiderstreit führt. Es nimmt darum nicht Wunder, daß gerade die Philosophen die Schöpfungsgeschichten lieben und ihrer, sie deutend und auslegend, gedenken.

Die Schöpfungsdarstellungen des Ursprungs zeigen den Austrag von Widerstreit als Überwindung und beziehen darum die Anstrengungen, das Scheitern in das Gelingen ein – geben darin aber Auskunft über die Kräfte, die als gefährdet im Grundverhältnis ihrer Ermöglichung mit sich bekannt werden.

Nicht ein vom Seinkönnen als Mensch in Welt getrenntes Geistiges oder Seelisches, was im Ursprungsdenken durch Erzählung in Weitergabe der so sich formenden Weisheit erkennbar wird, sondern ein sich im Leben in Bewußtwerdung seiner selbst Befestigendes, wird im Grund- und Maßgabeverhältnis des Ursprungs, es in Erneuerung annehmend, vernommen.

7. Ausblick

Von hier aus können wir uns der Ebenbildlichkeit in der Bedeutung von Grund und Maß für – Seele, Geist, Person, Gemeinschaft - widmen.

Dies wird sich als mit dem platonischen Begriff der Idee als Maß der Selbstgemäßheit von Vermögen vereinbar ausweisen lassen (im sie ausübenden Verhalten und deren Orientierung und Bildung wird angenommen im Werk der auf die Entsprechung hin ausgerichteten Ermöglichung und Wahrung

Die Selbstgemäßheit des Menschen als Person hat die Achtung der Entsprechung in der Daseinsgestalt der Wesen in der Welt zur Bedingung – muß sie aber mit der Selbsterhaltung in Übereinstimmung bringen und die darin statthabenden Verfehlungen und Mißachtungen berichtigen Können. Das Maß der Berichtigung im menschlichen Geist erneuernd zu geben, ist in der Schöpfungserzälung angelegt, bedarf aber, wie schon der Noah-Bund anzeigt, einer als Menschwerdung Gottes sich in das als Bund gegründete Selbstseinkönnen von Menschen in der von ihnen verantwortbaren Weltverhältnisse einbindenden „Neuschöpfung“, die das Erneuernde der ursprünglichen Rettung realisiert / bewahrheitet.

So erschließt sich die Bedeutung des Ursprungsgedenkens mit dessen durchdachten "Glauben" an die göttliche Schöpfung und rettender Erneuerung für die Grundlegung von Ethik – im sittlichen Selbstbewußtsein der Menschen als Personen. Sie schließt die Achtungsverpflichtung in der Schöpfungstheologie ein und das gegen die Pflichtverletzung - in göttlichem Vorbild - gegebene Achtungsversprechen in der Bundesstiftung..

8.

Ursprung zu denken, bedarf der Darstellung als Schöpfung. Sie ist weder fähig noch wäre es gut, sie als Theorie (im Gebrauch von Kategorien wie der der Kausalität) sich faßlich zu machen.

Die bloße Theorie oder erklärende Versuche zur Erfassung des selbstbewußten Daseins von Mensch in Welt kann nur die Abgründigkeit seines Seinsgrundes konstatieren, aber keine Rettung weisen und die Ermöglichung nicht erneuernd aufnehmen, ein Vertrauensverhältnis nicht und keine Hoffnung gründen. Theorien und Erklärungen von Dasein und Ursprung des Menschen sind darum keiner Einstimmung in sich fähig und können keine Einheit in der geistigen Orientierung der Menschen stiften.

→ homo abyssus

→ Kirschner, Hindrichs

9.

Gottes Handeln (Pannenberg) ist als ursprünglich im Werk des Geistes durch die Ermöglichung von Selbstseinkönnen in Entsprechung geleitet.

Der Annahme der Entsprechung, wie dem Maß der Idee von Vermögen und damit den Begriffen der Wesenheiten des Göttlichen ursprünglich eignet, kann auch im actus purus, den Themas von Aquin für das Gotteshandeln ansetzt, nicht entsprochen werden.

Für die Trinitarische Theologie ist darum auch festzuhalten, dass es, wenn das Handlungsvermögen zum einen Wesen Gottes gehört, auch keine andere Art der Ursprungshandlung von Schöpfer und Retter, von des Vaters Handlung und des Sohnes Wirken im Geist die personale Unterscheidung begründet, sondern erst in der Annahme aus der Einstimmung als Einheitsbedingung wir uns zum Retter als Person anders verhalten als zum Vater und Schöpfergeist, das wir in Christus die Verfehlung der Unangemessenheit im Verhalten, es weisend, berichtigen können. Das Werk von Schöpfung und Rettung bildet eine Einheit, durch das die Wesensbestimmungen des Göttlichen in ihrer ursprünglichen Einheit sich uns in erneuernder Erkenntnis zur Entsprechung (der → Ebenbildlichkeit) eröffnen.

„Der biblische Gottesname [Jahwe] ist keine Formel für das Wesen der Gottheit, sondern Einweisung in die Erfahrung ihres Wirkens (Ex 3,14).“ (Pannenberg Bd. 1 S. 389)

Darum schließt Pannenberg sich S. 399 ff dem Versuch an, die „Lehre von göttlichen Eigenschaften“ vom Begriff des göttlichen Handelns her mit H. Cremer (1897) neu zu begründen.